Eine Bridgekamera ist eine Kombination der Merkmale von Spiegelreflex- und Kompaktkamera, d.h. sie bildet eine Verbindung zwischen den beiden Gestaltungsprinzipien in puncto Ausstattung, Qualität und Funktionalität. Die Bezeichnung "Brückenkamera" wurde 1988 mit der Halbformatkamera Yashica Samurai und weiteren Herstellern erfunden. Auch bei Digitalkameras wurde zunächst das Gestaltungsprinzip der Bridge-Kameras beibehalten.
Der Begriff Brückenkamera hat sich mit dem weit verbreiteten Einsatz von Digitalkameras verändert und bezieht sich auf solche Geräte, die nicht auf kompakte Abmessungen zugeschnitten sind, sondern sich generell durch aufwändige Zoom-Objektive mit einem großen Brennweitenbereich und verhältnismäßig hohen Lichtstärken sowie durch die Möglichkeit der manuellen Einstellung zusätzlich zu den gewohnten Automatik-Funktionen charakterisieren.
Ein Blitzschuh und ein eingebautes elektronisches Suchersystem sind ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. Brückenkameras für Kleinbildfilme sind Spiegelreflex-Kameras mit festen Objektiven. Die feste Linse erlaubt den Einsatz eines zentralen Verschlusses und ein kompakteres Design. Da die Linse nicht gewechselt werden kann, ist es möglich, auf der Baustelle ein aktives Infrarot-Autofokussystem zu verwenden, jedoch wurde meist die bei SLR-Kameras gebräuchliche Methode der passiven Phasenerkennung oder eine Mischung aus beiden Methoden eingesetzt.
Typisch für die 35mm Brückenkameras sind die Mirai und Chinon GS-9 Olympus hat die Entwicklung und Fertigung ihres OM-Systems zugunsten der Brückenkameras der IS-Serie komplett eingestellt. Diese 35mm Bridge-Kameras wurden alle mit SLR-Kameras der Einstiegsklasse ausgestattet. Die Konstruktionsprinzipien der 35-mm-Brückenkameras wurden zunächst auch für die digitalen Brückenkameras angewendet, so dass diese zunächst auch SLR-Kameras mit festen Objektiven waren.
Die Spiegelreflexkamera wurde später durch einen Elektronensucher abgelöst. Dies ist im Unterschied zum Bildschirm an der Rückwand der Kamera auch bei starker Beleuchtung deutlich sichtbar. Ähnlich wie bei SLR-Kameras wird exakt der aufgenommene Ausschnitt angezeigt. Die manuelle Scharfeinstellung ist jedoch aufgrund der relativ niedrigen Bildauflösung dieser Bildsucher problematisch, und bei schwachen Lichtbedingungen liefern diese Bildsucher ein grobkörniges, geräuschvolles Abbild.
Im Vergleich zu einer Digitalkamera ist eine Bridge-Kamera durch ein Varioobjektiv mit in der Regel sehr großen Brennweitenbereichen gekennzeichnet; es werden Optiken mit einem Zoom-Faktor von bis zu 83?×[1] verwendet. Brückenkameras können durch ihre kleinen Sensorik mit vergleichsweise kleinen und leistungsfähigen Optiken ausgestattet werden. Eine äquivalente Linse für einen grösseren Bildaufnehmer (z.B. eine Spiegelreflexkamera) wäre aus optischen Gründen viel grösser und schwerfälliger und würde ein Vielfaches kosten, insbesondere wenn sie die selbe Lichtintensität bei einer Brennweite von etwa 400 Millimetern haben müsste.
Die Sensorgrößen der Bridge-Kameras sind also das Resultat eines Kompromißes aus Handhabbarkeit, Abbildungsqualität, Zoomkraft und Kosten. Bei Digitalkompaktkameras wird der Digitalzoom in der Regel über Taster oder Wippschalter von einem Elektromotor gesteuert, bei Brückenkameras ermöglicht die grössere Bauform ein viel empfindlicheres Vergrößern über einen Stellring unmittelbar am Objektive. Bei einigen Modellen gibt es auch einen Fokussierring zur Einstellung oder Korrektur des Fokus.
Die Vorteile von Bridge-Kameras gegenüber Digital-SLR-Kameras liegen in der etwas kompakteren Bauform und dem damit verbundenen geringen Eigengewicht. Der integrierte LCD-Bildschirm ermöglicht auch eine Live-Vorschau der Fotos - wenn der Bildschirm geschwenkt werden kann, können sehr komfortabel Fotos in der Nähe des Bodens oder "über Kopf" gemacht werden. Auf dem Bildschirm kann die Digitalkamera die dunklen Objekte auf elektronischem Wege verstärken und so deren Bildhelligkeit und Bildkontrast optimieren, wodurch diese Funktionalität in der Regel mit einem deutlich höheren Rauschen oder einer entsprechenden niedrigeren Bildrate einhergeht.
Besonders hilfreich ist die Darstellung eines Histogramms mit der Verteilung der Helligkeit der Pixel im Elektronensucher oder auf dem Bildschirm vor der Bildaufnahme, um Fehlaufnahmen von Anfang an auszuschliessen. Die Tools sind nun auch bei einigen Digitalkameras zu haben. Wie Kompaktkameras verfügen Bridge-Kameras in der Regel über eine große Anzahl von sogenannten Szenenmodi, die an die typischen Aufnahmebedingungen angepaßt sind und die den Betrieb erleichtern sollen.
Wie auch bei einer Spiegelreflexkamera können Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit (ISO) in der Regel von Hand eingestellt werden. Beim Festobjektiv stellt die Digitalkamera ein abgeschlossenes Komplettsystem dar, so dass das Verschmutzungsrisiko des Sensors deutlich niedriger ist als bei der Verwendung von Wechsellinsen. Mit dem Festobjektiv kann die Elektronik der Digitalkamera auch einige Objektivabweichungen bei unterschiedlichen Objektivbrennweiten und Aperturen ausgleichen.
SLR-Kameras verfügen in zunehmendem Maße auch über solche Funktionalitäten, allerdings meist nur für Optiken des Gehäuse-Herstellers, nicht aber für Optiken anderer Hersteller. Anders als ältere digitale SLR-Kameras können fast alle Bridge-Kameras auch Videoaufnahmen im VGA-Format mit Audio- und Soundkommentaren für Fotos machen. Bei neueren Modellen besteht auch die Moeglichkeit, in Full HD oder Ultra HD bis zu einer Qualitaet von 4K aufzuzeichnen, allerdings ist es auch moeglich, zwischen unterschiedlichen HD-Formaten zu waehlen.
Bei den meisten Brückenkameras gibt es eine visuelle Bildstabilisation, bei der eine Gruppe von Objektiven im Objekt oder im Sensor verschoben wird, um Verwacklungen auszugleichen. Aufgrund des fehlenden Spiegelmechanismus können nahezu lautlose Aufzeichnungen mit Brückenkameras gemacht werden und es entstehen keine Vibrationen durch den Spiegelstoß. Bei der Aufnahme kann kein Fremdlicht durch den Bildsucher auf den Belichtungsmesser der Spiegelreflexkamera fallen, was bei SLR-Kameras durch einen äußeren oder integrierten Okularverschluß oder eine Augenabdeckung unterdrückt wird.
Im Vergleich zu einer SLR-Kamera sind die Abbildungsmöglichkeiten einer Bridge-Kamera durch das feste Zoom-Objektiv begrenzt. Obwohl Bridge-Kameras in der Regel über einen Makro-Modus verfügen, sind die Einstellungsmöglichkeiten und die Abbildungsqualität im Vergleich zu Spezialobjektiven begrenzt. Oftmals ist es auch von Vorteil, SLR-Kameras mit größerem Bildsensor und hellen Fixbrennweiten für Aufnahmen mit vorhandenem Bildstabilisator zu verwenden.
Im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera mit einer vergleichbaren Auflösung sind die verwendeten Sensoren deutlich kleiner und generieren ein höheres Rauschen, was zu nahezu unverwertbaren Bildern mit hoher Empfindlichkeit führt. Ab 2012 kommen immer mehr Fotoapparate mit festen Objektiven und relativ großen Sensoren auf den Markt, allerdings ohne die großen Objektivbrennweiten herkömmlicher Brückenkameras aus Gründen der Übersichtlichkeit oder sogar mit Objektiven mit festen Brennweiten.
Neben der geringeren Sensorgröße ist auch der Bildmaßstab (bei gleichem Brennweitenbereich wird ein geringerer Bildausschnitt angezeigt, s. Formatfaktor) kleiner als bei Digital-SLR-Kameras. Eine Brückenkamera kann also auch bei der maximalen Öffnung keine so kleine Tiefenschärfe erzielen wie eine Reflexkamera mit der gleichen Öffnung. Das andere Ende der Blendenskala erstreckt sich auch bei Spiegelreflex- und System-Kameras oft weiter als bei Bridge-Kameras: Wo die einzelnen Linsen von einem oft bis zur Apertur 22 verschlossen werden können, sind die mit Apertur 11 oder gar 8 bereits vorbei.
Weil der Bild-Sensor und der Sucher oder Bildschirm für die Anzeige des Objekts aktiviert werden müssen, ist der Energieverbrauch höher als bei SLR-Kameras, was zu einer verkürzten Akkulaufzeit führen kann. Ebenso wird - wie bei Kompakt- und SLR-Kameras mit Bildschirmvorschau (Live-View) - das Rauschen durch die im Sensor erzeugte Hitze erhöht, die auch durch aufwändige Konstruktion und Elektronik nur bedingt auszugleichen ist.
Durch die im Vergleich zu SLRs niedrige lichttechnische Genauigkeit der eingesetzten optischen Sensoren wird die Scharfstellung von Hand schwierig. Die meisten Geräte bemühen sich, dies mit Softwarevergrößerungen auf dem Bildschirm oder im Elektronensucher zu kompensieren, d.h. es wird ein vergrösserter Bildausschnitt des ganzen Bildbereichs angezeigt. Ab 2012 kommen vermehrt Fotoapparate mit im Sensor integriertem Phasen-Autofokus auf den Markt, mit denen Fokussierungsgeschwindigkeiten ähnlich denen von digitalen Spiegelkameras erreicht werden.